Aktueller Lesetipp: Katharina Herrmann über Marieluise Fleißers ungeahnten Sprengstoff und andere „Frauen, die trotzdem geschrieben haben“

Wer sich prägnant, aktuell und aufschlussreich über Marieluise Fleißer informieren möchte, dem sei Katharina Hermanns kürzlich erschienener Band „Dichterinnen & Denkerinnen“ (Reclam) empfohlen.
Katharina Hermann porträtiert dort neben Marieluise Fleißer zahlreiche weitere deutschsprachige Autorinnen, unter anderem Luise Gottsched, Sophie von La Roche, Karoline von Günderrode, Lou Andreas-Salomé, Else Lasker-Schüler, Vicki Baum, Nelly Sachs, Anna Seghers. Die Autorinnen kommen mit Texten und Briefen auch selbst zu Wort. Alles in allem ein Gang durch die andere deutsche Literaturgeschichte.

Die Autorin, Mitglied der Fleißer-Gesellschaft Ingolstadt, ist als Gymnasiallehrerin und Literaturbloggerin tätig, zuletzt war sie u.a. Jurymitglied des Preises der Leipziger Buchmesse.

Katharina Hermann: Dichterinnen & Denkerinnen. Frauen, die trotzdem geschrieben haben. Mit Illustrationen von Tanja Kischel. Stuttgart: Reclam 2020. 237 S.

Die Fleißerpreisträgerin Iris Wolf kuratiert die Ingolstädter Literaturtage 2020

Vom 30. April bis zum 11. Mai 2020 finden die 27. Ingolstädter Literaturtage statt. Neu ist, dass das Festival dieses Jahr (und auch zukünftig) jeweils von der bzw. dem aktuellen FleißerpreisträgerIn mitgestaltet wird.

Iris Wolff, der im vergangenen Jahr der Fleißerpreis zugesprochen wurde, hat vier AutorInnen ausgewählt und eingeladen, deren Themen und Bücher ihr besonders am Herzen liegen: Mehrdad Zaeri, Marina Bodrožić  , Zsuzsa Bánk und Kai Weyand. Die entsprechenden Veranstaltungen finden am 1., 5., 6. und 10. Mai statt. Zwei davon wird Iris Wolff auch selbst moderieren.

Hier finden Sie das komplette Programm der 27. Literaturtage sowie weitere Informationen des Donaukuriers.

„Der starke Stamm“ am Residenztheater München – Stimmen zur Premiere am 23. Januar 2020

Wer kann, ergreife die Gelegenheit! Nicht allzu oft wurde und wird Fleißers Stück „Der starke Stamm“ (1944/45 bzw. 1950) auf die Bühne gebracht. Das Residenztheater München tut es in dieser Spielzeit, und das ist gut so. Julia Hölschers klare Inszenierung zeigt, dass dieser Text auf die Bühne gehört. Ihre reduzierte, für manchen vielleicht etwas zu schlichte Inszenierung stellt Fleißers ganz besondere Sprachkunst in den Vordergrund.

Hier finden Sie die nächsten Aufführungstermine und können Karten vorbestellen.

Zur Vor- oder Nachbereitung: Das überwiegend positive, teils sogar begeisterte Presseecho im Donaukurier, in der Abendzeitung, im BR, in der SZ sowie ausführlicher, samt einem erhellenden Interview mit der Regisseurin, der Podcast vom Kulturkanal Ingolstadt.
Auch interessant: Eine Doppelkritik In der FAZ zu Fleißers „Starken Stamm“ und Brechts „Im Dickicht der Städte“, das derzeit in den Kammerspielen München zu sehen ist.

Für den Terminkalender: Fleißer-Veranstaltungen 2020 in Ingolstadt

2. Februar 2020, 11.00 Uhr im Stadtmuseum (Barocksaal)

Literarische Tierwelten der Moderne … und mittendrin Marieluise Fleißers „erschriebene“ Tiere

Dr. Manfred Schuhmann, Carola Schlagbauer (Akkordeon), Werner Breuer (Tuba)

22. März 2020, 11.00 Uhr im Stadtmuseum (Barocksaal)

Leicht haben sie es nicht miteinander: Vaterstädte und Musenkinder … nicht nur Lübeck mit Thomas Mann und Ingolstadt mit Marieluise Fleißer

Mira Fajfer, Sascha Römisch und Gabi Klaschka-Mamikonian (Piano) in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei

5. September 2020, 19.00-24.00 Uhr im Fleißerhaus

Erste Nacht der Museen

Lesungen mit Musik und Bild und vieles mehr mit Martin Valdeig und Brigitte Pinggéra

Schenkung an die „Studiensammlung Marieluise Fleißer Haus“

Noch im Jahr 2019 konnte die Marieluise-Fleißer-Gesellschaft (MFG) eine wertvolle Schenkung an die „Studiensammlung Marieluise Fleißer Haus“ im Stadtarchiv Ingolstadt übergeben


Bildübergabe im Barocksaal des Stadtmuseums Ingolstadt. Von links: Dr. Beatrix Schönewald (Leiterin des Stadtmuseums), Doris Wittmann (Leiterin des Fleißerarchivs), Gabriel Engert (Kulturreferent der Stadt Ingolstadt), Elisabeth Witzel-Ganz (Vorstandschaft MFG), Andreas Betz (1. Vorsitzender der MFG), Dr. Isabella Kreim (Vorstandschaft MFG). Foto: Ulrich Rössle


Die Künstlerin Helga Wilmsen (Frieda Martha), die mit ihrem Mann im Raum Bodensee auch eine Galerie unterhält, hat ihre Auseinandersetzung mit dem Werk von Marieluise Fleißer in Gestalt des Gemäldes „Meine Inspiration“ – Marieluise Fleißer (2002) als Schenkung der MFG übertragen. Da sie nicht, wie ursprünglich geplant, selber nach Ingolstadt reisen konnte, wurde das Bild in ihrer Abwesenheit übergeben (siehe Foto). Die MFG stellt das sehr interessant gestaltete Gemälde als Dauerleihgabe dem Stadtarchiv der Stadt Ingolstadt für die „Studiensammlung Marieluise Fleißer Haus“ zur Verfügung. In einer Sonderausstellung im neuen Fleißerhaus kann es dann später mit anderen Beispielen gezeigt werden, in denen sichtbar wird, wie KünstlerInnen sich vom Werk der Fleißer herausfordern lassen.

Mehr über die Galeristin Helga Wilmsen bzw. Künstlerin Frieda Martha, das Gemälde selbst und auch zur Schenkung kann man in einem Podcast des Kulturkanals Ingolstadt vom 19. März 2020 erfahren. Hier auch der Link zu ihrer Homepage.

Verleihung des Fleißerpreises 2019 an Iris Wolff im Stadttheater

Ende Juli 2019 wurde es bekanntgegeben: Die Schriftstellerin Iris Wolff erhält den diesjährigen Fleißerpreis. „Wolffs Romane sind eng mit Siebenbürgen verbunden und skizzieren gleichzeitig ein großes europäisches Panorama. Vor allem ihr Roman ‚So tun, als ob es regnet‘ (…) erzählt von Sehnsüchten und Verletzungen auf eine poetisch verdichtete Weise, wie man sie in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur sehr selten findet“, begründete die Jury die Entscheidung. Die offizielle Preisverleihung fand am Sonntag, den 24. November 2019, um 11.00 Uhr im Foyer des Stadttheaters statt.

Verleihung des Fleißerpreises 2019 an Iris Wolff durch OB Lösel. Links im Bild der Laudator Dr. Kurt Hübner.

Wer nicht dabei sein konnte oder schlichtweg die Preisträgerin kennenlernen möchte, dem sei der Podcast des Kulturkanals Ingolstadt zum Nachhören empfohlen. Isabella Kreim im Gespräch mit der Autorin.

Ausführlichere Berichterstattung zur Preisverleihung sowie ein Porträt der Autorin auch im Donaukurier.


„Über die deutsche Frau“ – neuer Kurzspielfilm der Schmutzler-Brüder über Marieluise Fleißer

Ein von der Fleißer-Gesellschaft initiiertes Film-Projekt nimmt Formen an. Das Drehbuch steht bereits, herausgekommen ist ein spannender Ansatz.

Der Kurzspielfilm „Über die deutsche Frau“ von Kevin und Toby Schmutzler gewährt Einblicke in das Leben und Werk der Marieluise Fleißer, allerdings nicht in Form eines klassischen Dokumentarfilms. Stattdessen trifft die Autorin Marieluise Fleißer – so viel sei schon verraten – unter anderem auf ihre Romanfigur Frieda Geier. Es verschränken sich also historisch-biographische und fiktionale Elemente. Frieda Geier aus dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1931 ist Fleißers wohl am meisten emanzipierte Frauenfigur. Die Ingolstädter Kevin und Toby Schmutzler gehören zu den innovativsten jungen Filmemachern aus der Region. Große Aufmerksamkeit erlangte ihr Charity-Film „Robin – Watch for Wishes“ aus dem Jahr 2018. Jeder Klick auf Youtube bedeutete eine kleine Spende.

Über die Motivation der Schmutzler-Brüder und den Beginn der Dreharbeiten in Ingolstadt informierte bereits genauer der Donaukurier. Zum Abschluss kommen die Dreharbeiten nun an einem ungewöhnlichen Ort im Norden von Ingolstadt. Dort entstehen wichtige Szenen.

Dreharbeiten im Bauernhofmuseum Hofstetten

Wir dürfen weiter gespannt sein auf das Endprodukt und den neuen Blick auf Marieluise Fleißer durch das Filmteam der Schmutzler-Brüder.

Der Abschluss der Produktionsphase ist für Ende 2019 geplant. Die „Uraufführung“ wird wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Eröffnung des neuen Museums im renovierten Fleißerhaus im Frühjahr 2020 stattfinden.

Direkt vor Ort bei den Dreharbeiten war übrigens der Kulturkanal Ingolstadt. Die entsprechende Sendung vom 25. Oktober 2019 mit O-Tönen vom Dreh macht neugierig auf mehr: Zu Wort kommen neben den Schmutzler-Brüdern unter anderem auch der Drehbuchautor Michael Croce sowie die Schauspielerin Luisa Wietzorek.

Iris Wolff erhält den Fleißer-Preis 2019

Alle zwei Jahre wird der Marieluise-Fleißer-Preis an deutschsprachige AutorInnen verliehen. In diesem Jahr wird die Schriftstellerin Iris Wolff (*1977) ausgezeichnet.

An literarischen Werken hat Iris Wolff, die mehrere Jahre auch am Deutschen Literaturarchiv Marbach tätig war, bereits drei Romane veröffentlicht, erschienen im Otto Müller-Verlag Salzburg. Für ihren jüngsten Roman „So tun, als ob es regnet“ erhielt sie 2018 den Literaturpreis Alpha.

Barbara Fröhlich vom Donaukurier hat die Preisträgerin unmittelbar nach der Bekanntgabe Ende Juli 20019 interviewt. Ausführlichere Informationen zur Autorin und ihren Werken findet man auf ihrer Homepage.